Das Frühwerk Max Schneiders I – die Anfänge als Autodidakt (bis März 1933)

Max Schneider (Jahrgang 1903) wuchs als Sohn eines Teppichwebers in Oelsnitz/Vogtl. in einfachen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der achtjährigen Volksschule (1909-1917) trug er zunächst vier Jahre als Arbeiter in der Strickwarenfabrik Wielatt zum Lebensunterhalt der Familie bei. Bereits aus dem Jahr 1918 hat sich eine Pastellzeichnung des damals knapp 15jährigen im Nachlass erhalten. Es handelt sich um ein ausdrucksstarkes Porträt eines rothaarigen Mädchens mit grünen Augen und durchdringendem Blick, das einen lila Mantel trägt, siehe die Lfd. Nr. 431. Eine Fotografie der Oelsnitzer Turn-Riege „Frohsinn“ vom August 1921 zeigt Max Schneider als groß gewachsenen, athletischen jungen Mann.

Vermutlich ab dem Jahr 1922 erlernte er ebenso wie sein Vater den Beruf des Teppichwebers und fand eine Anstellung bei der für ihre Webteppiche im orientalischen Stil (Marke „Halbmond“) bekannten Firma Koch & te Kock in Oelsnitz. In seiner Freizeit entstanden erste Aquarellversuche und Zeichnungen. Teilweise haben sich diese nur erhalten, weil Schneider später die Rückseiten für neue Arbeiten nutzte. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise waren auch in Oelsnitz zu spüren, wegen Auftragsmangels wurde Max Schneider Anfang des Jahres 1931 gekündigt. Schneider machte die Not zur Tugend und konzentrierte sich ab diesem Zeitpunkt auf die Kunst. Seine zeichnerischen Fertigkeiten entwickelte er auch durch den Besuch von Volkshochschulkursen weiter (Angaben soweit nicht durch Dokumente im Nachlass belegt nach Frank Weiß, Max Schneider und die vogtländische Landschaft, Artikel in: Kalender Sächsische Heimat 2003, Rückseite der 1. Kalenderwoche).

Bis zu seinem Eintritt in die Zweigabteilung Oelsnitz der Staatlichen Kunstschule für Textilindustrie zu Plauen am 1. April 1933 entstanden eine Reihe von Arbeiten ganz verschiedener Techniken. Einerseits lassen diese Bilder bereits Schneiders hohe künstlerische Begabung, den Blick für das Motiv und seinen Gestaltungswillen erkennen, andererseits fehlt den Arbeiten aber noch die charakteristische Handschrift des späteren Künstlers, die typische Leichtigkeit und Eleganz der Linienführung und Flächengestaltung. Insofern geben die nun veröffentlichten Arbeiten einen fast schon intimen Einblick in die Entwicklung des jungen Künstlers. Kantige große Kohleporträts aus dem persönlichen Umfeld (siehe Lfd. Nrn. 450 ff.), kleinformatige, mit breitem Pinsel ausgeführte Ölstudien reduzierter Landschaften (siehe Lfd. Nr. 449 und Lfd. Nr. 1) und vor allem fast schon düstere Tuschezeichnungen mit einer sehr harten, gezackten, noch wenig individuell definierten Linienführung (siehe Lfd. Nrn. 436 ff. und Lfd. Nr. 444) sind zweifellos nicht ohne Reiz, lassen jedoch erst einen Bruchteil der späteren Meisterschaft des Aquarellmalers und Zeichners erkennen.

Welchen Anteil die Ausbildung an der Plauener Kunstschule an Schneiders künstlerischem Werdegang hatte, ist Gegenstand des folgenden zweiten Teils dieses auf drei Teile angelegten Beitrags zu seinem Frühwerk. Für die Ermöglichung der Veröffentlichung der Arbeiten geht ein herzlicher Dank an die privaten Sammler und die Kunstsammlungen Zwickau – Max Pechstein Museum (Sammlung Friedbert Ficker).

Alle neu eingestellten Arbeiten mit den Lfd. Nrn. 431-455 finden Sie hier im Werkverzeichnis. Weitere bereits veröffentliche Arbeiten aus den Jahren 1920-1940 finden Sie zudem hier in der Werk-Kategorie Frühwerk.