Ein Tagebuch in Bildern – Max Schneider an West- und Ostfront (1940-1945) V – bei Lemberg (Polen), in Kirowograd (Ukraine) und in Tarthun bei Magdeburg (1943/44)

Der fünfte und letzte Teil des gemalten Kriegstagebuchs führt uns Anfang September 1943 nach Bad Morszyn in die Nähe der damals noch polnischen Metropole Lemberg, danach wieder zurück in die Ukraine nach Kirowograd sowie schließlich im Sommer 1944 nach Tarthun in die Magdeburger Börde. Ein herzlicher Dank geht an die privaten Sammler und die Kunstsammlungen Zwickau – Max Pechstein Museum (Sammlung Friedbert Ficker), die die Veröffentlichung der Arbeiten ermöglichten.

10. Region Lemberg (Polen) – Bad Morszyn und Lisowice (Sept. 1943)

Mindestens vom 4. bis zum 13. September 1943 hielt sich Max Schneider in dem kleinen Kurort Bad Morszyn (Morschyn, Моршин) und dem nahe gelegenen Dorf Lisowice (Lysovychi, Лисовичі) südlich von Lemberg (polnisch Lwów, ukrainisch Lwiw) auf. Die galizische Hauptstadt Lemberg gehörte bis 1945 noch zu Polen und fiel mit Kriegsende an die Sowjetunion. Es ist wahrscheinlich, dass Schneider in Bad Morszyn in einem Kurlazarett der Luftwaffe behandelt wurde. Über eine Verwundung ist bislang nichts bekannt, es ist jedoch möglich, dass der Aufenthalt mit seiner chronischen Luxation des linken Arms zusammenhing. In Lisowice entstanden vor allem Skizzen sommerlicher Erntelandschaften, hervorzuheben ist insbesondere der kunstvolle hölzerne Heuschober mit beweglichem Dach, Lfd. Nr. 387.

11. Region Kirowograd (Ukraine) – Kirowograd (30. Okt. 1943)

Ein einziges Bleistiftporträt einer jungen Frau („Schönja“), vermutlich einer Ukrainerin, Lfd. Nr. 391, deutet auf einen letzten Einsatz Schneiders nahe der Ostfront am 30. Oktober 1943 in der Großstadt Kirowograd (seit 2016 Kropywnyzkyj, Кропивницький) hin. Die Stadt liegt etwa 300 km südlich von Kiew und gut 100 km südlich des Ortes Rotmystrowka, wo Schneider bis Ende August 1943 stationiert war. Am 8. Januar 1944 wurde Kirowograd von der Roten Armee befreit. Nach dieser Zeichnung klafft aktuell eine große Lücke im Tagebuch. Bislang wurden keine Arbeiten Schneiders aus der Zeit von Ende Oktober 1943 bis Ende Juni 1944 bekannt, die Aufschluss über seinen Aufenthalt geben könnten.

12. Magdeburger Börde – Tarthun (Juni-Okt. 1944)

Erst aus dem Sommer und Herbst des Folgejahres gibt es wieder Bleistiftskizzen Schneiders. Jedoch nicht mehr von der Ostfront, sondern mitten aus dem damaligen Reichsgebiet. Vom 28. Juni bis zum 16. Oktober 1944 datieren die Arbeiten Schneiders aus dem Dorf Tarthun gut 25 km südlich von Magdeburg. Genaueres zum Einsatz Schneiders als Angehörigem eines Bau-Bataillons der Luftwaffe in Tarthun ist bislang nicht bekannt. Am wahrscheinlichsten ist im Moment, dass sein Aufenthalt in Zusammenhang steht mit der Vorbereitung der unterirdischen Fabrikation von Flugzeugen (Junkers) in den örtlichen Kalibergwerken, die hier ab Mitte Oktober 1944 durch Zwangsarbeiter erfolgte (Außenlager Westeregeln des Konzentrationslagers Buchenwald).

Der weitere Verbleib Schneiders bis zum Kriegsende liegt aktuell im Dunkeln. Nach eigenen Angaben geriet Schneider am 6. Mai 1945 bei Pilsen in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Bereits im Juni 1945 wurde er aus dieser entlassen und kehrte in seine Heimatstadt Oelsnitz zurück, wo er zunächst als Vermittler im Arbeitsamt tätig war und auch seine künstlerische Tätigkeit wieder aufnahm.

Alle neu eingestellten Arbeiten mit den Lfd. Nrn. 386-398 finden Sie hier im Werkverzeichnis.